Mit den Stimmen von CDU, FWG, FDP, Pro Vernunft und Bündnis 90/Die Grünen haben
sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschuss in ihrer jüngsten Sitzung gegen den
Erhalt der 6 Sozialwohnungen in Düdelsheim entschieden. Damit geht der Kahlschlag
beim Vernichten von sozialem Wohnraum weiter. Laut einer Erhebung des
Wetteraukreises sind in Büdingen von einst 176 „Sozialwohnungen“ nur noch 62
Wohnungen übrig (Stand November 2022).
Seit fünf Jahren debattiert die Büdinger Stadtverordnetenversammlung über die Zukunft
der leerstehenden städtischen Immobilie in der Schulstraße 30 in Düdelsheim. In der
Immobilie waren sechs Sozialwohnungen angesiedelt. Aufgrund des schlechten
baulichen Zustands des Hauses bot man den Bewohnern „übergangsweise“ andere
städtische Wohnungen an, worauf sie auszogen. Das Parlament beschloss seinerzeit,
die Immobilie nicht zu verkaufen und weiterhin dort Sozialwohnungen zu ermöglichen.
Dieser Beschluss wurde allerdings nicht mehr weiterverfolgt. Es folgten viele neue
Beschlüsse, die aber alle den Eindruck erweckten, die Stadt Büdingen ihrer
Verantwortung zu entlasten.
Nun liegen für die kommende Stadtverordnetenversammlung zwei Kaufangebote aus
Düdelsheim vor. Die Beschlussvorlage sieht vor, dass diese beiden Angebote geprüft
und darüber entschieden werden soll.
Im ersten Beschlussvorschlag (Variante 1) steht der Verkauf des Grundstücks
Schulstraße 30 zum Gesamtpreis von 100.000 Euro im Raum. Begründet wird dies
damit, dass das Grundstück seit Jahren ungenutzt sei und der bauliche Zustand des
Gebäudes stark sanierungsbedürftig. Im Kaufvertrag ist zudem der Abriss des
bestehenden Gebäudes verpflichtend festgelegt. Die möglichen Auswirkungen wären,
dass die Stadt Eigentum verliert, dafür aber kurzfristig Einnahmen erhält.
Der zweite Beschlussvorschlag (Variante 2) sieht einen Erbpachtvertrag für sozial
geförderten Wohnraum vor. Begründet wird dies damit, dass das Grundstück in
kommunaler Hand bleibt und über eine Erbpacht dauerhaft sozial geförderter
Wohnraum entstehen kann. Ein langfristiger Erbpachtvertrag würde klare
Rahmenbedingungen für den sozialen Wohnungsbau schaffen. Die möglichen
Auswirkungen schließen ein, dass der soziale Wohnraum erhalten bleibt und die Stadt
Eigentum behält.
Der Ortsbeirat Düdelsheim wurde im November 2025 um eine Stellungnahme gebeten.
In einer ordentlichen Ortsbeiratssitzung wurde dieses Thema allerdings nicht beraten.
Viel mehr wurde eine Abfrage in einer „WhatsApp“-Gruppe des Ortsbeirats
durchgeführt. Die ordentliche Ortsbeiratssitzung soll nun nachgeholt werden.
„Es gibt in Büdingen einen wachsenden Bedarf an sozialem Wohnraum. Immer mehr
Haushalte mit geringem Einkommen, Studierende, Auszubildende, Rentner und
Rentnern sowie Menschen in unfreiwilliger Wohnungsvermittlung suchen
erschwingliche Wohnungen“, mahnt die SPD-Fraktion. „Der gesamte Verlauf der
Debatten und Entscheidungen in den letzten fünf Jahren, erweckt den Eindruck, dass
die große Mehrheit der Stadtverordneten, Magistrat und Bürgermeister gar kein
Interesse am Erhalt oder der Errichtung von Sozialwohnungen hat“.
„Dies zieht sich seit dem Verkauf der Wohnungen „Glashütte“ in der Düdelsheimer
Strasse und weiteren Gebäuden im Jahre 2012 wie ein roter Faden durch die
Stadtpolitik“, bedauert der Fraktionsvorsitzende Manfred Scheid-Varisco. „Nach dem
Abstimmungsergebnis im Ausschuss, ist davon auszugehen, dass die große Mehrheit in
der Stadtverordnetenversammlung der Variante 1 folgen wird. Das wirft einen Schatten
auf die Zukunft unserer Stadt. Wenn wir jetzt den sozialen Wohnraum aufgeben, riskiert
Büdingen nicht nur mehr Verdrängung und soziale Spaltung, sondern langfristig auch
teurere Folgekosten für die Allgemeinheit. Wir brauchen klare, nachhaltige Lösungen,
die Eigentum bewahren, soziale Verantwortung stärken und den bezahlbaren
Wohnraum dauerhaft sichern.“