„Schnauze voll von schwarzen Nullen!“

Veröffentlicht am 10.09.2018 in Stadtteil

SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl beim „Stammtisch zur Sache“ über die aktuelle Bildungspolitik

„Es ist sehr wenig für den ländlichen Raum getan worden“, resümiert Lisa Gnadl über 19 Jahre CDU-Landesspolitik in Hessen. Es herrsche ein „großes Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land“. "In unserer Region wurde das Amtsgericht in Nidda geschlossen. Es gibt einen riesigen Sanierungsstau im Straßenbau und beim Ausbau des ÖPNV. Die Niddertalbahn muss beispielsweise dringend ausgebaut werden", so Lisa Gnadl. Nur wenn die Infrastruktur vor Ort stimme, können auch Arbeitsplätze geschaffen werden. Oberhessen brauche eine Zukunftsperspektive.

Die sozialdemokratische Landtagsabgeordnete war einer Einladung des SPD Ortsbezirks Büdingen-Kernstadt gefolgt und sprach vor Genoss*innen und interessierten Bürger*innen im Café „Fanny´s“ über ihre Kernthemen.

„Schulsport und Schwimmen sind auch Teil der Bildung. Viele Kinder können im vierten Schuljahr noch nicht schwimmen!“, beklagt sie die sich häufenden Hallenbadschließungen auf dem Land. Davon waren auch Büdingen und Nidda im Wetteraukreis betroffen, da die Städte und Gemeinden unterfinanziert seien.

Durch den „eklatanten Lehrermangel“ steige an den hessischen Bildungseinrichtungen die Überlastung des Personals. „Aus den Schulen erreichen mich viele Hilferufe und Überlastungsanzeigen.“ Die Diplom-Soziologin fordert ein Sofortprogramm gegen den Lehrer*innenmangel mit vorausschauender Personalplanung. „Es wundert mich nicht, dass Bundesländervergleiche zeigen, dass in Hessen der Bildungserfolg stark vom Geldbeutel der Eltern abhängt! Von Chancengleichheit kann man da nicht mehr sprechen“, so die 37jährige.

„Wie stehst du dazu, dass viele Lehrerinnen und Lehrer vor den Sommerferien ohne Bezahlung freigestellt werden?“, will Niklas Hein, der Vorsitzende des SPD Ortsbezirks, wissen. Gnadl: „Katastrophal ist das. Für die Lehrerinnen und Lehrer ist das besonders hart, sie können nicht planen und sie haben dann keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld 1, weil sie keine zwölf Monate voll gearbeitet haben." Sieglinde Huxhorn-Engler, Schulpädagogin: „Man schickt die bewusst weg, weil man so Geld sparen kann.“ Wohl wissend, dass man sie im nächsten Schuljahr wieder brauchen werde. Henry Wendel, Unternehmer aus Büdingen mit Tochter am Gymnasium, bestätigt die zahlreichen Fehlstunden am WEG und fragt nach dem sozialdemokratischen „Masterplan“ zur Behebung der Zustände. Ebenso will er wissen, wie die zuständigen Stellen auf Proteste der Lehrerschaft reagieren. Sieglinde Huxhorn-Engler: „Da krieg ich gesagt: Dann fördern Sie nur noch die Guten und fertig. Damit am Ende des Jahres eine schwarze Null im Haushalt stehe." Und Huxhorn-Engler redet sich in Rage: „Ich hab’ die Schnauze voll von schwarzen Nullen! Es wird Zeit für rote Investitionen!“

Lisa Gnadl erinnert in diesem Zusammenhang an die Forderung der SPD nach mehr echten Ganztagsschulen. „Von den 1150 Grundschulen in Hessen sind nur sechs echte Ganztagsschulen.“ Statt pädagogischer Ganztagskonzepte gebe es einen Flickenteppich aus Nachmittagsangeboten.

Die mangelhafte Bildungspolitik der bisherigen CDU-Landesregierungen zeige sich aber bereits bei der frühkindlichen Förderung. „Wir kämpfen seit Jahren für die komplette Gebührenbefreiung ab der Krippe!“, so Gnadl. Die bestehende Sechs-Stunden-Regelung für die Kinder ab 3 Jahren geht für Lisa Gnadl „völlig an der Lebensrealität vorbei“. Die SPD habe zu diesem Thema ein Komplettpaket inklusive Finanzierungsvorschlag geschnürt, das neben der Gebührenbefreiung auch eine Qualitätsverbesserung für die Erziherinnen und Kinder vorsieht sowie die Kommunen finanziell unterstützt. „Da müssen wir investieren, weil das unsere Zukunft ist“, ist die stellvertretende Fraktionsvorsitzende überzeugt. „In Deutschland, insbesondere in Hessen, wird es für Kinder einkommensschwacher Familien immer schwerer, über entsprechende Bildung einen lukrativen Beruf zu erlangen“, ergänzt Niklas Hein.

Büdingens Erste Stadträtin Henrike Strauch beleuchtet einen weiteren Aspekt: Durch die Unattraktivität des Erzieherberufs, hauptsächlich wegen der schlechten Bezahlung, habe die Stadt große Schwierigkeiten, Auszubildende heranzuziehen. „Wir suchen händeringend Erzieherinnen und Erzieher!“, so Strauch.

Ein weiterer Aspekt in Sachen Berufsausbildung wurde von der Ersten Stadträtin angesprochen: Erschwert werde im ländlichen Raum die duale Ausbildung z.B. in einigen Handwerksberufen nicht zuletzt dadurch, dass Auszubildende durch Zentralisierungsmaßnahmen unzumutbar weite Wege zu den Berufsschulen zurücklegen müssen.

Es folgten noch weitere angeregte Diskussionen mit Lisa Gnadl zu weiteren Themen wie der Frage nach der Mobilität für die Menschen in den Dörfern, bevor der „Stammtisch zur Sache“ der Sozialdemokraten zu Ende geht. Eine runde Sache im Hinblick auf die bevorstehende Landtagswahl am 28. Oktober.

 
 

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